„Nicht nach Herkunft differenzieren.“

Das Personaldienstleistungsunternehmen Trenkwalder vermittelt Arbeitskräfte an Unternehmen. CEO Karoly Pataki über die Integration von arbeitswilligen Flüchtlingen, wie viel Deutsch im Job notwendig ist und warum Asylwerber sofort arbeiten sollten.
Von Onur Kas und Zoe Opratko (Fotos)

biber: Herr Pataki, die Arbeitslosigkeit ist auf dem höchsten Stand seit Bestehen der Zweiten Republik. Glauben Sie, dass Flüchtlinge in dieser schwierigen Zeit in den Arbeitsmarkt integriert werden können?
Pataki: Da Österreich an der Grenze zum Osten liegt, hat es insbesondere nach der Wende von den Ostmigranten profitiert. Es handelt sich um hochqualifizierte Leute, die zum größten Teil unter ihrem Niveau beschäftigt sind. Das sind Uniabsolventen, die als Kebabverkäufer oder Taxifahrer arbeiten. Bei den Flüchtlingen muss man sich erst Mal fragen, wo es glaubwürdige Statistiken über ihre Qualifikationen gibt. Diejenigen, die in Österreich einen Asylantrag stellen, müssen für einen Kompetenzcheck herangezogen werden.

Viele ÖsterreicherInnen befürchten durch den Zuzug von weiteren Flüchtlingen die Verschärfung der Arbeitsmarktsituation und den daraus resultierenden Verdrängungswettbewerb.
Es wird eher im unteren Arbeitsmarktsektor zu einem Verdrängungswettbewerb kommen, weil es dort an Deutschkenntnissen fehlt. Festzuhalten ist aber: Wenn Flüchtlinge nach Österreich kommen, die einen positiven Asylbescheid erlangen, werden sie sicherlich in den ersten Monaten Arbeitslos sein. Solange sie keine Deutschkenntnisse haben, bekommen sie auch keine Beschäftigungsbewilligung.

 

Was ist mit heimischen hochqualifizierten Arbeitskräften? Müssen die sich vor einem syrischen Arzt oder Ingenieur fürchten?
Nur dann, wenn sie sich nicht weiterbilden. Hier darf man nicht nach der Herkunft differenzieren, sondern nach der Qualifikation. Wenn Sie etwa mit fließenden Deutschkenntnissen und einem Hochschulabschluss aus der Türkei nach Österreich einwandern, um einen Job zu bekommen, dann verdrängen sie höchstwahrscheinlich jemanden, der eine geringere Qualifikation besitzt. Aber dafür sind nicht Sie, sondern der Niedrigqualifizierte verantwortlich, weil er sich nicht weitergebildet hat.

Es existieren trotzdem hohe Hürden für arbeitswillige Flüchtlinge, die am liebsten vom ersten Tag an arbeiten wollen.
Ich habe den 50-Punkte-Plan des Integrationsrates für den Arbeitsmarkt gelesen. Der Plan sieht ein Stufensystem vor. Flüchtlinge sollen erst einmal die deutsche Sprache lernen und erst danach vom AMS in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. So etwas dauert ein Jahr und ist in der Tat sehr langwierig. Mein Vorschlag: Ich würde diese Maßnahmen parallel erfolgen lassen. Solange der Asylantrag bearbeitet wird, soll der Asylwerber schon in den Arbeitsmarkt vermittelt werden dürfen und gleichzeitig Deutsch lernen.

Integrationsminister Sebastian Kurz droht mit Sanktionen, wenn sich Flüchtlinge weigern, Deutsch zu lernen. Ist das ein richtiger Ansatz oder kennen Sie einen besseren Weg, Flüchtlingen die Sprache beizubringen?
Drohungen würde ich nicht verwenden, eher die Chancen in den Vordergrund stellen. Es fehlt im Integrations-Plan die Unterstützung für die spätere detaillierte Umsetzung durch die Beamten. Wohin soll er sie für Deutsch-Kurse schicken? Welches Deutsch-Niveau benötigt welcher Beruf? Wie soll ein Beamter für einen syrischen Maurer einen Integrationsplan erstellen? Bei Bauarbeitern müssen beispielsweise nicht alle Arbeiter Deutsch können. In Gesundheitsberufen wiederum sind Deutsch-Kenntnisse sehr wichtig.

In welchen Berufen werden KEINE Deutschkenntnisse benötigt?
Man braucht schon minimale Deutschkenntnisse, um zumindest mit dem Chef zu kommunizieren. Ich war 20 Jahre im Industriesektor tätig und habe dort mit vielen Ausländern zu tun gehabt. Auch mit jenen, die kein Deutsch konnten. Die haben sich dann in Gruppen zusammengefügt und einen bestimmt, der die deutsche Sprache beherrscht. Man kann davon halten was man will, aber sie hatten zumindest einen Job, verdienten ihr Geld und lernten Deutsch.

Ab wann ist das Deutschniveau ausreichend?
Das ist unterschiedlich. Ein Taxifahrer wird weniger Deutschkenntnisse benötigen als ein Krankenpfleger. Wie man damit erfolgreich umgeht, zeigen uns die Norweger. Sie haben sich zunächst angeschaut, wo Fachkräftemangel herrscht. Dann wurde analysiert, in welchen Berufen welcher Wortschatz benötigt wird, um den Zuwanderern die Sprache gezielt und nicht willkürlich zu vermitteln. Das geschieht mit Hilfe eines Pyramidensystems, etwa dass ab 1000 Wörtern Beruf X ausgeübt werden kann und ab 5000 Wörtern Beruf Y. Das könnte man auch in Österreich einführen.
Welche Schritte unternimmt Trenkwalder konkret, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren?
Wenn jemand schon migriert ist, versuchen wir einen Kompetenzcheck mit dem Bewerber zu machen. Nachdem wir sein Deutschniveau einschätzen können, schicken wir die Person in einen entsprechenden Sprachkurs. Gleichzeitig suchen wir einen für das Deutschniveau geeigneten Job für den Bewerber. Dadurch verdient er ein erstes Gehalt, mit dem er seine Familie ernähren kann. In Zusammenarbeit mit dem AMS, mit der Trenkwalder-Akademie und diversen Bildungsinstituten bilden wir den Bewerber weiter aus, damit er nach einigen Monaten einen höherqualifizierten Job annehmen kann.

Karoly Pataki (50) ist seit 2012 CEO des Personaldienstleisterunternehmens Trenkwalder. Der Diplomökonom hat langjährige Erfahrungen in der Managementbranche und Papierindustrie.